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Stricken


Zwei rechts, zwei links, eine fallen lassen ...

 

Es ist hier natürlich vom Stricken die Rede. Bei der Definition des Wortes "Stricken", trifft man direkt auf das verwandte Wort "Strick" - und das hatte seinen Ursprung nicht in der Handarbeit, die uns heute bekannt ist. Aus Überlieferungen ist das erste gestrickte Werk aus dem 13. Jahrhundert in Italien bekannt geworden. Dabei handelte es sich um ein gestricktes Kissen, das dem Erschaffer mit in sein Grab gelegt wurde. Zu dieser Zeit wurde noch ein Gebilde mit Stricken ohne die Verwendung von Nadeln einfach zusammengezogen. Erst später wurde diese einfache Technik dann durch die uns auch heute bekannten Stricknadeln verfeinert, indem man mit zwei Nadeln die Wolle bzw. den Strick durch Bildung von Knoten zu Maschen zu einem flächigen Handarbeitsstück zusammenfügte. Die ersten Strumpfstricker befanden sich in England. Wie so vieles, war das Stricken von Strümpfen Männerndomäne. So entstanden mit der Zeit regelrechte Produktionsschwerpunkte in ganz Europa, die sich mit der Herstellung von Strickwaren und speziell der Herstellung von Strümpfen befassten Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde diese Arbeit mit Strickmaschinen ausgeführt.

 

Von der Technik her ist das Stricken relativ leicht zu erlernen. Die beiden Stricknadeln werden auf die linke und die rechte Hand verteilt. Nun werden mittels Schlaufenbildung Maschen auf die linke Nadel aufgenommen. Die Anzahl der Maschen richtet sich nach der Dicke der Wolle und der Nadeln sowie letztlich der Breite, die das Strickstück haben soll. Hier bieten Strickanleitungen oder aber Aufdrucke auf der Banderole gute Hilfestellung. Nun hält man die Nadel mit den aufgenommenen Maschen in der linken Hand. Der Faden, der die Verbindung zum Wollknäuel darstellt, wird über den linken Zeigefinger gelegt. Nun wird mit der rechten Nadel die erste Masche auf der linken Stricknadel durchstochen und der Faden wiederum mittels der rechten Stricknadel durch diese Masche gezogen. Die hierdurch entstandene neue Masche lässt man auf die rechte Nadel gleiten. Diese Arbeit wird fortgeführt, bis sich alle Maschen auf der rechten Nadel befinden.

 

Die Maschen werden wegen der fortlaufenden Wolle dann zu einer flächigen Maschenbahn miteinander verbunden. Es gibt beim Stricken nur zwei verschiedene Methoden, die Bildung von rechten und linken Maschen. Alle anderen Muster werden gezielt durch Kombination dieser zwei Maschenarten erlangt. Das derzeit genutzte Wollknäuel sollte zur Vermeidung von Knoten in den Fäden in einem Behältnis aufbewahrt werden. Der Anfang des Wollfadens sollte der hohlen Mitte des Wollknäuels entnommen werden.

 

Das Stricken mit der Hand wird heute ausschließlich noch als Hobby oder zur individuellen Herstellung eigener Kleidungsstücke, hauptsächlich Pullover betrieben. Auch Strümpfe werden - meistens von älteren Frauen, die diese Technik beherrschen - teilweise noch gestrickt. Zum Strümpfe stricken braucht man 5 Nadeln, um das so genannte Rundstricken, also das Stricken eines Schlauches, durchführen zu können. Hierzu benutzt man am besten eine Strickanleitung als Hilfestellung. Auf 4 Nadeln werden die ersten Maschen entsprechend der oben beschriebenen Technik gleichmäßig verteilt, mit der 5. Nadel strickt man die Maschen, auch entsprechend der obigen Technik, der nächsten Runde. Eine dafür vorgesehene Rundstricknadel ist gerade für Anfänger besser zu handhaben, diese im Gegensatz zu den klassischen Stricknadeln biegsam ist und die Maschen zudem durchgehend gestrickt werden können, so dass ein Schlauch entsteht.

 

Zum Stricken benötigt man natürlich Wolle, die inzwischen in allen Qualitäten und Farben erhältlich ist. Je nach gewünschtem Strickmodell wird die Wolle ausgewählt. Der Handel hält für begeisterte Hobbystrickerinnen eine Vielzahl von natürlichen Wollsorten im Angebot. Hierzu gehört z. B. die Angorawolle, die nicht von der Angora-Ziege stammt, sondern vom Angora-Kaninchen. Eine andere Naturwolle ist die etwas gröbere Mohair-Wolle, die von der Angoraziege stammt. Die edelste und damit teuerste Wolle ist die Kaschmirwolle, die von einer Kaschmirziege stammt und im Aufwendigen Verfahren gewonnen wird. Die sehr feine Alpakawolle wird vom Alpaka-Lama gewonnen. Zuletzt gehört natürlich noch die Schafwolle zur Kategorie der Naturwolle, die dann von unterschiedlichen Schafarten stammt. Schurwolle wird meist wegen ihrer sehr feinen Fäden nicht zum Stricken, sondern zum Weben und Wirken genutzt.

Die feinste Schafwolle stammt übrigens vom Merinoschaf. Für alle Naturwollsorten sind Alternativsorten aus synthetischen Materialien erhältlich, die oftmals aus Polyester bestehen oder aus Mischung von Echtwolle und synthetischer Wolle hergestellt werden

 

Ein weiterer wichtiger Grund für die Auswahl der richtigen Wolle ist auch die Waschbarkeit. Ein gestricktes Kleidungsstück kann nicht immer mit Wollwaschmittel in der Waschtrommel gewaschen werden. Bei den meisten Wollarten ist die Handwäsche angesagt, was auch als Pflegehinweise auf den Banderolen zu erkennen ist.

 

Prinzipiell können alle Kleidungsstücke gestrickt werden. Die häufigsten Strickmodelle sind Mützen und Schals. Jacken und Pullover sind wegen den eingearbeiteten Mustern schon etwas aufwändiger in der Herstellung. Gerade bei Strickjacken ist die Teilung im Vorderbereich und die eingearbeitete Knopfleiste sehr kompliziert. Gestrickt werden können auch Tischdecken, Gardinen, Teppiche, Strümpfe, Hauben usw.. Hier ist allerdings Geschicklichkeit und Erfahrung der Strickerin Bedingung. Hobbystrickerinnen stellen häufig auch gern Kleidungsstücke für Babys und Kleinkinder her. Für Freunde von Deko-Puppen und Spielpuppen wird auch oft gern mal ein kleines Kleidungsstück gestrickt. Das geht flott und verbraucht zudem Wollreste. Kleine Teddys können natürlich auch mit Selbstgestricktem ausgestattet werden. Der aktuelle Trend geht dahin, Haustieren, wie z. B. der Katze oder dem Hund, Decken für die Körbchen zu stricken.

 

Entgegen den Anfängen der Strickkunst, haben Männer heute bis auf sehr wenige Ausnahmen mit dem hobbymäßigen Stricken nichts mehr zu tun. Sie arbeiten heute nur noch als gelernte Stricker an hochmodernen Strickmaschinen.

Die modernen Strickmaschinen nennen sich Flachstrickmaschinen und Rundstrickmaschinen. Mit Flachstrickmaschinen kann man z. B. Pullover herstellen. Je nach Garntyp und Dicke des Garns wird die Trageigenschaft eines Kleidungsstücks maschinell erzeugt. Mit Rundstrickmaschinen können ganz besonders feine Strickmodelle hergestellt werden.

 

Im Gegensatz zum Wirken werden beim Stricken die Maschen hintereinander gebildet. Ein Engländer hat Mitte des 19. Jahrhunderts die sogenannte Zungennadel erfunden. Mit dieser mit einem Gelenk versehenen Nadel wurde der Maschenbildungsprozess wesentlich vereinfacht. Die Produktivität konnte so erheblich gesteigert werden. Moderne Technik vereinfachte fast die gesamten Produktionsprozesse zur Herstellung eines maschinengestrickten Kleidungsstückes. Die Strickmaschinen arbeiten heute in einem solchen Tempo, dass die einzelnen Vorgänge nicht mehr mit bloßem Auge wahrnehmbar sind. Selbst gerissene Fäden werden automatisch wieder für das menschliche Auge unsichtbar verknotet. Erstaunlich ist auch die Vielfalt der komplizierten Muster, die in ein Kleidungsstück eingestrickt werden können.

Manuell gestrickt ist die Einarbeitung von Mustern mit sehr viel Aufwand und Geduld verbunden. Hat man sich für die Erstellung eines Kleidungsstück oder eines dekoratives Objektes für die Wohnung entschieden, müssen als Erstausstattung mindestens 2 Nadeln und die entsprechende Menge Wolle in der jeweiligen Stärke und Farbe vorhanden sein. Dazu gesellt sich noch jede Menge Zeit und viel Geduld. Stricknadeln sind in unterschiedlichen Stärken erhältlich und die Wahl richtet sich nach der Dicke der Wolle. Für einen Schal benötigt man nur 2 Nadeln und die Reihen werden hin und zurück gestrickt. Aufwändigere Stück sollten eher nach einer Strickanleitung und einem Strickmuster gearbeitet werden. Ein sehr beliebtes eingearbeitetes Strickmuster ist der Zopf. Hierbei werden mehrere Maschen von der Nadel genommen und nach ein paar Reihen wieder mit eingearbeitet. Auch die Einarbeitung von farbigen Motiven ist natürlich möglich. Das Norwegermuster ist in regelmäßigen Abständen immer wieder in Mode.

 

Durch die Kombination von rechten und linken Maschen können viele unterschiedliche Muster mit gleichfarbiger Wolle hergestellt werden. Diese Muster können mit einem sehr feinen Stickgarn zu dekorativen Tischdecken gestrickt werden.

 

Weitere Musterarten erzielt man auch durch das Verstricken von mehreren Farben in einer Reihe. Es gibt auch Wolle, die fortwährend mit unterschiedlichen zusammenpassenden Farben hergestellt wird, so dass spezielle Farbeffekte ohne Wollwechsel im Kleidungsstück entstehen.

 

Früher wurden die Grundelemente des Strickens noch in der Schule im Rahmen des Unterrichts gelehrt. Heute wird den Kindern zwar auch das Stricken beigebracht, aber im Rahmen von Projekten, die Kinder an Nachmittagen durchführen sollen, oft auf freiwilliger Basis. Dabei wird in diesem Zusammenhang im Unterricht auch mit der Strickliesel eine bunte Kordel hergestellt.

 

Das Hobby Stricken erlebt regelmäßig wieder einen Boom. Es haben sich schon vielerorts richtige Handstrickgemeinden gebildet, bei denen sich viele Frauen zu Hobbygruppen zusammenschließen, um dann gemeinsam dem geliebten Zeitvertreib nachzugehen. Hier werden sich die neuesten Strickmodelle gezeigt, es werden Erfahrungen ausgetauscht und wertvolle Tipps gegeben. Bei Kaffee und Kuchen und klappernden Stricknadeln können die neuesten Nachrichten gleich noch mit ausgetauscht werden.

 

Was den finanziellen Aspekt in unserer heutigen Zeit betrifft, ist das Selbststricken von eigenen Kleidungsstücken oder anderen Dingen preiswerter als der Kauf von Kleidung. Beim Stricken steht die eigene Kreativität und die Freude an Handarbeiten im Vordergrund.






 

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